Philippinen-Reisebericht
die Philippinen brauchen starke Nerven. Seit dem 24. Oktober bin ich hier und nix klappt so richtig. Wegen eines Taifuns bin ich nicht in den Norden gefahren, weil in Manila und einem Streifen von rund 300 km nördlich davon alles unter Wasser steht und dazu noch die Leptospirose wütet. Also gute Gründe, der Region fern zu bleiben, solange Infektionsgefahr besteht. Ich habe mich also nach Busuanga, einer Insel der Region Palawan, in Sicherheit gebracht. Aber nun hänge ich hier fest, weil das Schiff, mit dem ich heute (Sonntag, 1. November) nach El Nido weiterfahren wollte, einen Motorschaden hat. Also versuche ich, morgen mit einem Frachter da hin zu kommen. Der soll allerdings viel länger brauchen und auch sonst nicht auf der Höhe der Zeit sein. Die Zeit in Manila habe ich allerdings ganz gut hinter mich gebracht, sieht man einmal von dem üblichen Organisationskram ab.

Zu den beeindruckendsten Orten gehört für mich der Amerikanische Heldenfriedhof. Mehr als 77.000 Gräber gibt es hier auf 80 Hektar. Und es liegt nicht mal ein Blatt auf dem Rasen – so was Perfektes habe ich noch nie gesehen. Und die Marmorgrabsteine sind genauso tadellos. Sie werden mindestens einmal im Monat abgewaschen (mit Wasser und Bürste).

Beeindruckend ist auch ein Vermächtnis des gestürzten Diktators Ferdinand Marcos, der sich direkt am Meer einen Palast hat hinstellen lassen, in dem man sich sehr wohlfühlen kann: rund sieben riesige Appartements stehen für Gäste bereit. Jedes mit Dusche und Badewanne, aber jeweils mit anderen Möbeln ausgestattet, die aus einer Provinz stammen.

Ansonsten tobt hier schon der Weihnachtsrummel. Plastikweihnachtsbäume und Jingle-Bells überall.
Busuanga ist eine Insel nördlich der Insel Palawan. In der Hauptstadt Coron hocke ich nun in einer Bude direkt am Meer. Zu erreichen ist sie nur über einen langen Steg und eine Brücke über Wasser, das nach ungefähr allem müffelt, was man sich vorstellen kann, nur eben nicht nach Meer. Aber da ist es ganz praktisch, dass mein Zimmer in der 2. Etage liegt, unpraktisch aber, weil das nur über eine Wendeltreppe erreichbar ist.

In diesem Nest – rund 40.000 Einwohner – hast Du alle Straßen der Innenstadt an einem Tag abgeklappert. Aber die Stadt ist sehr sauber, die Tricycles, die Motorradtaxis, sind gepflegt und versuchen nicht, einen zu bescheißen,. Bloss weil man Ausländer ist. Anders als in Manila schläft niemand auf den Straßen, bettelt einen keiner an. Überall stößt man auf einen Namen Reyes. Egal über Gouverneur oder Bürgermeister oder Barangay-Cäpt’n, ist der Hand der Familie. Tun kann man eigentlich nicht viel hier, deshalb macht man am besten Inselhopping. Und davon gibt es genug.
Bisher waren dem Inselhüpfen allerdings finanzielle Grenzen gesetzt, weil es hier keinen Geldautomaten gab. Aber das ist nun anders. Eigentlich ist es unvorstellbar, aber es ist wirklich so: Auf den Hauptinseln gibt es so viele Banken, dass die Zahl begrenzt werden musste: Mindestabstand von einer Bank zur nächsten mindestens 300 Meter. Und hier gab es nicht mal einen Automaten…. Aber war auch gut für die Reisekasse. Vielleicht ist es Zufall, dass seit Beginn des Automatenzeitalters die Hotelpreise um 20 % gestiegen sind.

Gestern habe ich mir einen Ausflug in eine große Badewanne gegönnt. Es ist wirklich merkwürdig, bei 30 Grad Außentemperatur in 45 Grad heißes Wasser zu klettern.
Soweit ein paar Nachrichten aus einer fernen Welt.
Mabuhay,
Philipp Becker








